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Der SchweizerKI-Podcast
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Wer gewinnt das KI-Hardware-Rennen 2025: Nvidia, Google oder OpenAI?

Die neue Machtfrage in der KI-Industrie

Die Dominanz von Nvidia im KI-Chip-Markt schien bis vor Kurzem unantastbar. Mit einem Marktanteil von rund 93 % bei KI-Chips galt das Unternehmen als unverzichtbarer Infrastrukturlieferant der gesamten Branche. Doch zwei Entwicklungen, die sich innerhalb weniger Wochen überschlagen haben, lassen die Machtfrage neu stellen: Googles Ironwood-Chip und OpenAIs angekündigtes Hardwareprojekt mit Jony Ive verändern die strategischen Koordinaten des KI-Marktes grundlegend.

Chris Jon Graf und Bernd Schmellenkamp diskutieren in dieser Folge von Digitalize Your Passion, dem Schweizer KI-Podcast, die wichtigsten Impulse der Woche – von der KI-Regulierung in Europa über Afrikas erste KI-Fabrik bis hin zur Frage, ob OpenAI das nächste iPhone bauen wird.


Google Ironwood: Ein ernsthafter Angriff auf Nvidia

Was Ironwood wirklich kann

Googles neuer KI-Chip Ironwood ist keine evolutionäre Weiterentwicklung – er ist ein strategischer Angriff auf ein spezifisches Marktsegment, das Nvidia bislang vernachlässigt hat: die Inferenz. Während Nvidias GPUs primär für das Training grosser KI-Modelle optimiert sind – also für das rechenintensive Durcharbeiten riesiger Datenmengen –, zielt Ironwood auf den Moment, in dem ein bereits trainiertes Modell tatsächlich genutzt wird. Jeder Prompt, den ein Nutzer in ChatGPT oder ein ähnliches System eingibt, ist eine Inferenzaufgabe.

Ironwood beschleunigt genau diese Ausführungsphase: schneller, energieeffizienter, skalierbar. Das ist der entscheidende Punkt für alle Unternehmen, die KI-Produkte in die Breite bringen wollen.

Das geschlossene Ökosystem als Strategie

Google bietet Ironwood nicht als Chip zum Kauf an. Kunden greifen ausschliesslich über Googles Cloud-Plattform auf die Rechenleistung zu – die Hardware bleibt im Rechenzentrum, das Know-how bleibt bei Google. Das ist keine technische Einschränkung, sondern eine bewusste Plattformstrategie: Google baut eine vertikale End-to-End-Pipeline, die Modell, Chip und Cloud-Dienst integriert.

Für Unternehmen, die KI-Lösungen skalieren wollen, stellt sich damit eine neue strategische Grundfrage: Mit welcher Plattform bindet man sich langfristig? Die Abhängigkeit von Nvidia könnte sich in eine Abhängigkeit von Google oder anderen geschlossenen Ökosystemen verwandeln. Der Machtwechsel vollzieht sich leise, aber fundamental.


OpenAI und Jony Ive: Das iPhone der KI-Ära

Ein Softwarehaus wird zum Hardwarehersteller

OpenAI ist bislang ein Cloud- und Softwareunternehmen. Das könnte sich bald ändern: CEO Sam Altman plant den Einstieg in die Hardwareentwicklung. Ein Startup, an dem Altman beteiligt ist und das an einem KI-Device arbeitet, soll von OpenAI akquiriert werden. Der strategische Kern dieses Moves: Das Ökosystem ausweiten, den physischen Berührungspunkt mit dem Nutzer kontrollieren und so die gesamte Nutzungserfahrung in der Hand behalten.

Die Signalwirkung ist enorm – 500 Millionen US-Dollar sollen bereits für ein Gerät stehen, das noch nicht existiert.

Jony Ive: Der Designer, der Apple geprägt hat

Das Brisant ist die personelle Besetzung. Jony Ive war jahrelang Chefdesigner bei Apple und gilt als der engste kreative Vertraute von Steve Jobs. Er war verantwortlich für das Design von Mac, iMac, iPod, iPhone und iPad – jene Produkte, die Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht haben. Jobs soll ihn vor allen Wutausbrüchen verschont haben, die er gegenüber anderen Mitarbeitern regelmässig zeigte. Als Tim Cook die Unternehmenskultur nach Jobs' Tod zunehmend auf operative Exzellenz statt auf radikale Produktvision ausrichtete, verliess Ive Apple.

Nun hat Ive mit Sam Altman offenbar einen neuen Partner gefunden, der ihm erinnert an das, was Jobs für ihn war: eine leidenschaftliche, visionäre Führungspersönlichkeit. Die Parallele zur Geschichte, wie Steve Jobs nach seiner Rückkehr zu Apple sein Unternehmen NeXT einbrachte, ist dabei nicht zufällig: Auch Altman könnte über die Akquisition seines Startups Anteile an OpenAI erhalten – ein eleganter Schachzug, der gleichzeitig das Hardwareprojekt und die Eigentümerstruktur neu ordnet.

Was das KI-Device leisten müsste

Die technischen und gestalterischen Anforderungen an ein sinnvolles KI-Gerät jenseits des Smartphones sind erheblich:

  • Sprachsteuerung als primäre Interaktionsform
  • Visuelle Wahrnehmung der Umgebung aus der Perspektive des Nutzers
  • Freihändige Nutzung – kein Display, das dauernde Aufmerksamkeit bindet
  • Kontextuelle Intelligenz – das Gerät soll den Alltag verstehen, nicht nur Prompts verarbeiten

Formfaktoren wie Brillen (Meta Ray-Ban, Apple Vision Pro), Clips oder – langfristig – Implantate (Elon Musks Neuralink) werden bereits diskutiert. Apple selbst hat mit der Vision Pro einen Vorstoß gewagt, der kommerziell noch nicht überzeugt hat. OpenAI und Ive könnten das schaffen, was Apple zuletzt nicht gelungen ist: einen radikal neuen Gerätekategorie zu definieren.


Afrikas erste KI-Fabrik: Chance oder neue Abhängigkeit?

Kassava Technologies und Nvidia investieren gemeinsam

Ein weiterer Meilenstein dieser Woche: Kassava Technologies, ein afrikanisches Technologieunternehmen unter CEO Hardi Pema, baut gemeinsam mit Nvidia die erste KI-Fabrik des afrikanischen Kontinents. Das Investitionsvolumen beträgt 720 Millionen US-Dollar. Für Afrika ist das ein symbolischer wie realer Schritt in Richtung technologischer Eigenständigkeit.

Warum Afrika jetzt

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Afrika hat eine junge, wachsende Bevölkerung, zunehmend exzellent ausgebildete Fachkräfte – etwa aus Nigeria oder Südafrika – und profitiert nun davon, dass KI-Tools das Spielfeld nivellieren. Wer heute Zugang zu einem Laptop und einer KI hat, kann technologische Fähigkeiten aufbauen, die früher enorme institutionelle Ressourcen erforderten.

Gleichzeitig bleibt eine kritische Frage offen: Wer profitiert langfristig – der Kontinent oder die investierenden Konzerne? Nvidia hat offensichtliches Eigeninteresse daran, günstige Rechenkapazitäten in Afrika aufzubauen, die es anschliessend weiterverkaufen kann. Wie bei früheren Infrastrukturinvestitionen – etwa durch chinesische Staatsunternehmen – muss Afrika aufpassen, dass aus einer Chance keine neue Form wirtschaftlicher Abhängigkeit entsteht.


EU und Schweiz: Regulierung mit Mass

Entlastungen für KI-Startups

Die Europäische Kommission signalisiert laut Reuters Bereitschaft, gewisse Anforderungen des EU AI Act für Startups zu entschärfen – ohne den Akt selbst aufzuschnüren. Das ist eine pragmatische Reaktion auf die Kritik, dass strenge Regulierungen europäische Gründer gegenüber Wettbewerbern aus den USA oder China strukturell benachteiligen. In Deutschland soll zudem ein eigenes Digitalministerium unter der neuen Regierung Friedrich Merz entstehen – ein klares Signal für den politischen Stellenwert von Digitalisierung und KI.

Die Schweizer Perspektive

Die Schweiz ist zwar nicht Mitglied der EU, hat aber über bilaterale Abkommen enge Verflechtungen – auch im Bereich digitaler Regulierung. Die Einführung der elektronischen Identität (eID) ist ein Beispiel dafür, wo staatliche Grundlagen digitale Prozesse erst wirklich skalierbar machen. Die Frage, wieviel EU-Regulierung die Schweiz übernehmen sollte und wo sie ihren eigenen Kurs fahren muss, bleibt eine der zentralen wirtschaftspolitischen Debatten.


Executive Takeaways

  • Chip-Strategie überdenken: Wer KI-Produkte skaliert, muss sich bewusst sein, auf welcher Plattform er läuft – Nvidia, Google Ironwood oder künftig OpenAI-Hardware. Anbieterbindung ist eine strategische Entscheidung.
  • OpenAI als Hardwarekonkurrent ernst nehmen: Die Ankündigung eines KI-Devices mit Jony Ive ist mehr als ein PR-Move. Unternehmen in der Consumer-Hardware-Branche sollten dieses Szenario in ihre Marktanalysen einbeziehen.
  • Afrika als Wachstumsmarkt neu bewerten: Die erste KI-Fabrik Afrikas ist ein struktureller Wendepunkt. Schweizer und europäische Unternehmen mit Afrikastrategie sollten die technologische Entwicklung dort neu einschätzen.
  • EU-Regulierungsentlastung nutzen: Startups im DACH-Raum, die KI-Lösungen entwickeln, sollten die angekündigten Erleichterungen beim EU AI Act genau verfolgen und frühzeitig rechtliche Klarheit schaffen.
  • Buchempfehlung: The Coming Wave von Mustafa Suleyman bietet einen fundierten Einstieg in die strategischen Implikationen von KI – empfohlen von Bill Gates bis zu internationalen Wirtschaftsmedien.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Nvidias KI-Chips und Googles Ironwood-Chip?

Nvidias GPUs sind primär für das Training grosser KI-Modelle optimiert – ein extrem rechenintensiver Prozess. Googles Ironwood hingegen fokussiert auf Inferenz, also die schnelle Ausführung bereits trainierter Modelle bei Nutzeranfragen. Das macht Ironwood besonders relevant für Unternehmen, die KI-Produkte in grossem Massstab betreiben wollen, ohne die hohen Kosten von Trainingsprozessen zu tragen.

Warum ist Jony Ives Beteiligung am OpenAI-Hardwareprojekt strategisch bedeutsam?

Jony Ive gilt als der einflussreichste Produktdesigner der Tech-Geschichte – er war massgeblich verantwortlich für iPhone, Mac und iPod bei Apple. Seine Partnerschaft mit Sam Altman signalisiert, dass OpenAI nicht bloss ein weiteres Gadget plant, sondern eine neue Gerätekategorie definieren will. Die Parallele zu Steve Jobs und NeXT ist dabei bewusst: Altman könnte über die Akquisition von Ives Startup auch Anteile an OpenAI erhalten.

Welche Risiken birgt Googles Ironwood-Strategie für Unternehmen, die KI-Lösungen skalieren?

Google bietet Ironwood ausschliesslich über die eigene Cloud-Plattform an – die Hardware bleibt bei Google, das Know-how auch. Unternehmen, die auf dieses Ökosystem setzen, tauschen eine potenzielle Nvidia-Abhängigkeit gegen eine Google-Abhängigkeit. Für C-Level-Entscheider ist die Frage der langfristigen Plattformbindung daher eine strategische Kernfrage, nicht nur eine technische.

Was bedeutet die erste KI-Fabrik Afrikas für globale Tech-Investoren?

Die von Kassava Technologies und Nvidia gemeinsam finanzierte KI-Fabrik mit einem Volumen von 720 Millionen US-Dollar markiert einen Wendepunkt: Afrika wird als Standort für KI-Infrastruktur ernst genommen. Günstigere Betriebskosten, eine junge Bevölkerung und wachsende Fachkräftebasis machen den Kontinent attraktiv – allerdings besteht das Risiko, dass externe Investoren den Hauptnutzen ziehen, während lokale Abhängigkeiten entstehen.

Wie wirken sich die geplanten EU-Erleichterungen beim AI Act auf Schweizer KI-Startups aus?

Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied, operiert aber in einem eng verflochtenen regulatorischen Umfeld. Erleichterungen für Startups beim EU AI Act können Schweizer Unternehmen, die in EU-Märkten tätig sind, direkt entlasten. Gleichzeitig verfolgt die Schweiz einen eigenständigen Kurs, der ihr erlaubt, regulatorische Grundlagen wie die eID pragmatisch umzusetzen – ohne den gesamten EU-Regulierungsrahmen übernehmen zu müssen.

Könnte ein OpenAI-KI-Device das Smartphone tatsächlich ersetzen?

Kurzfristig ist ein vollständiger Ersatz unwahrscheinlich, aber die Richtung ist klar: Ein KI-Gerät, das freihändig funktioniert, Kontext versteht, sieht und hört wie der Nutzer, wäre ein grundlegend anderes Produkt als das Smartphone. Formfaktoren wie Brillen oder Clips sind technisch realistisch. Ob OpenAI und Jony Ive den Durchbruch schaffen, den Apple mit der Vision Pro verfehlte, bleibt offen – die Investitionssignale von 500 Millionen US-Dollar zeigen aber, dass es sich um mehr als eine Konzeptstudie handelt.

Warum wird Afrika als KI-Standort strukturell unterschätzt?

Die Wahrnehmung Afrikas in Europa ist stark von historisch geprägten Bildern geprägt, die die technologische und wirtschaftliche Realität des Kontinents verzerren. Tatsächlich gibt es in Ländern wie Nigeria oder Südafrika hervorragend ausgebildete Softwareentwickler und Forscher. KI-Tools nivellieren zudem das Spielfeld: Wer Zugang zu einem Laptop und modernen KI-Anwendungen hat, kann heute mit vergleichbaren Ressourcen arbeiten wie Fachkräfte in Europa oder den USA.