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Der SchweizerKI-Podcast
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Wie KI und Digitalisierung die Arbeitswelt 2024 verändern – und was Führungskräfte jetzt tun müssen

Digitalisierung 2024: Wo stehen Schweizer Unternehmen?

Die Digitalisierung ist in der Schweiz kein Randthema mehr – doch der Entwicklungsstand variiert erheblich. KI-Experte Chris Jon Graf, einer der profiliertesten Digitalisierungsfachleute der Schweiz, bringt es im Gespräch mit Medienprofi Bernd Schmellenkamp auf den Punkt: Zwischen innovativen Startups, die von Beginn an auf modernste Technologien setzen, und traditionell aufgestellten Unternehmen, die den digitalen Wandel noch vor sich haben, klafft eine erhebliche Lücke.

Die Schweiz gilt im internationalen Vergleich als fortschrittlich – insbesondere gegenüber Deutschland, wo gesetzliche Rahmenbedingungen und behördliche Strukturen digitale Prozesse teils noch aktiv verhindern. In der Schweiz ist es laut Graf heute möglich, nahezu alle Behördengänge digital abzuwickeln. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht mehr in der technischen Infrastruktur, sondern in der parallelen Bereitstellung analoger und digitaler Kanäle: Solange Behörden beide Wege offenhalten müssen, entsteht Mehraufwand statt Effizienzgewinn.

Die eigentliche Digitalisierungsbarriere liegt in den Köpfen

Eine zentrale These des Gesprächs: Digitalisierung ist primär ein Offline-Thema. Der technologische Wandel scheitert nicht an fehlenden Tools, sondern an fehlender Veränderungsbereitschaft in Organisationen. Ohne klar definierte Prozesse und ohne motivierte Mitarbeitende, die neue digitale Lösungen aktiv mittragen, bleibt selbst die beste Software wirkungslos.

Führungskräfte sind gefordert, ihre Teams aktiv in den Transformationsprozess einzubinden. Change-Management ist keine weiche Disziplin, sondern eine harte Voraussetzung für den Digitalisierungserfolg.

KI in der Praxis: Zwei Anwendungsebenen unterscheiden

Bei der Einordnung von Künstlicher Intelligenz empfiehlt Graf eine klare Differenzierung:

  • KI als Alltagswerkzeug: Die Nutzung von ChatGPT, Bildgeneratoren und ähnlichen Tools durch einzelne Mitarbeitende.
  • KI als Prozessbestandteil: Die Integration von KI-Modellen direkt in Unternehmensapplikationen und Workflows.

Während die erste Ebene bereits verbreitet ist, steckt die zweite noch in den Kinderschuhen – birgt aber das weitaus grössere Transformationspotenzial. Tools wie make.com ermöglichen es heute, Prozessautomatisierungen ohne Programmierkenntnisse zu gestalten: Kundenanfragen werden via API an ChatGPT weitergeleitet, strukturiert aufbereitet, intern bestätigt und anschliessend automatisch in der jeweiligen Landessprache beantwortet. Diese Art der KI-Integration wird die Unternehmenslandschaft in den nächsten Jahren grundlegend verändern.

ChatGPT-Empfehlung für KMU: Die Teams-Version als Mindeststandard

Für kleine und mittlere Unternehmen ab zwei Mitarbeitenden empfiehlt Graf konkret die ChatGPT Teams-Version – nicht die kostenfreie Variante, nicht die einfache Pro-Version. Der Grund: Sie bietet eine deutlich höhere Anzahl an GPT-4-Anfragen. Der Qualitätsunterschied zwischen GPT-3.5 und GPT-4 ist nach Grafs Einschätzung so substanziell, dass Nutzende, die bisher ausschliesslich mit der älteren Version gearbeitet haben, das Potenzial des Tools systematisch unterschätzen.

Die Investition von rund 30 Franken pro Person und Monat amortisiert sich laut Graf unmittelbar – vorausgesetzt, die Mitarbeitenden eignen sich die notwendigen Kompetenzen an.

Prompt Engineering als Schlüsselkompetenz

Der effektive Einsatz von ChatGPT ist erlernbar, aber kein Selbstläufer. Prompt Engineering – die Kunst, Anfragen so zu formulieren, dass präzise und nützliche Antworten entstehen – ist eine Fähigkeit, die systematisch entwickelt werden muss. Viele Nutzende unterschätzen das Tool, weil sie es nur oberflächlich einsetzen. Wer weiss, wie man ChatGPT richtig befragt, erhält individuelle, qualitativ hochwertige Texte, die keine KI-Handschrift tragen, und vermeidet die bekannten Fehlerquellen.

Grafs Empfehlung für Unternehmen: Eine interne Austauschplattform – ob Slack-Kanal, Microsoft-Teams-Gruppe oder regelmässiges physisches Format – in der Mitarbeitende Erfahrungen mit KI-Tools teilen und gemeinsam Kompetenzen aufbauen.

Robotik und KI: Das Beispiel Gastronomie und Hotellerie

Ein anschauliches Praxisbeispiel aus dem Gespräch: Das Parkhotel Vitznau am Vierwaldstättersee zeigt exemplarisch, wie Robotik und KI in der Hotellerie eingesetzt werden können, ohne den menschlichen Kontakt zu ersetzen. Mitarbeitende werden von physisch belastenden Aufgaben wie dem Transport von Lebensmitteln oder Warensendungen entlastet – und können sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: den Gast.

Dieselbe Logik gilt für die Gastronomie insgesamt. Angesichts des akuten Köchemangels und des enormen Kostendrucks bietet der Einsatz von Kochrobotern eine realistische Perspektive: Nicht als Ersatz des Kochs, sondern als Unterstützung, die dem verbleibenden Kochpersonal Raum für kreative und qualitätssichernde Aufgaben schafft. Graf skizziert ein Zukunftsbild, in dem zwei Marktsegmente koexistieren: Restaurants mit vollständig menschlichem Service als Premiumangebot und technologiegestützte Gastronomie für das Mittelsegment – beide mit hoher Qualität, aber unterschiedlichem Preispunkt.

Gesellschaftliche Dimension: Arbeit neu denken

Die tiefgreifendste Frage, die Graf und Schmellenkamp aufwerfen, ist keine technische, sondern eine gesellschaftliche: Was ist Arbeit – und wozu dient sie?

Graf argumentiert, dass KI und Automatisierung eine historische Chance darstellen, das Verhältnis von Mensch und Arbeit neu zu definieren. Wenn Maschinen die repetitive Produktion übernehmen – physisch wie digital –, gewinnen Menschen Raum für das, was sie von Maschinen unterscheidet: Kreativität, Schöpferkraft, Innovation.

Diese Perspektive steht im Widerspruch zur verbreiteten Angst vor dem Jobverlust durch KI. Graf sieht in dieser Angst zwar eine reale gesellschaftliche Dynamik, die zunehmen wird – begegnet ihr aber mit einem konstruktiven Rahmen: Weniger Doing, mehr Being. Weniger mechanische Ausführung, mehr menschliche Gestaltung.

Die Gefahr der permanenten Beschleunigung

Ein weiterer zentraler Gedanke: Die westliche Gesellschaft hat in den letzten Jahren das Innehalten verlernt. Dauernde Reizüberflutung durch Notifikationen, Social Media und Leistungsdruck führen zu psychischer Erschöpfung – die vollen Psychologiepraxen sind ein Symptom dieser Entwicklung. Wenn KI dazu beiträgt, den Alltag zu entschleunigen und Menschen Raum für echte Erholung und kreative Entfaltung zu schaffen, ist das kein Nebenzweck, sondern ein zentraler gesellschaftlicher Mehrwert.

Executive Takeaways: Was Führungskräfte jetzt ableiten sollten

  • Sofortmassnahme: ChatGPT Teams-Version für alle Mitarbeitenden einführen und Prompt-Engineering-Kompetenz systematisch aufbauen.
  • Mittelfristig: KI nicht nur als Einzelwerkzeug verstehen, sondern in Prozesse und Applikationen integrieren (z. B. via make.com).
  • Change-Management priorisieren: Technologie ohne Mitarbeitendenbeteiligung scheitert. Interne Austauschformate schaffen.
  • Strategisch denken: KI befreit von repetitiver Arbeit – und schafft Kapazität für Innovation, Kreativität und Differenzierung.
  • Gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen: Digitalisierung als Chance nutzen, Arbeitsmodelle menschengerechter zu gestalten.

Häufige Fragen

Wo liegt der grösste Digitalisierungsrückstand in Schweizer Unternehmen?

Laut KI-Experte Chris Jon Graf liegt der grösste Rückstand nicht in der Technologie, sondern im organisatorischen Wandel: fehlende Prozessdefinitionen, mangelndes Change-Management und Mitarbeitende, die nicht aktiv in die Digitalisierung einbezogen werden. Die technische Infrastruktur der Schweiz ist solide – die menschliche und organisatorische Transformation hinkt hinterher.

Welche ChatGPT-Version empfiehlt sich für KMU als Mindeststandard?

Chris Jon Graf empfiehlt die ChatGPT Teams-Version für Unternehmen ab zwei Mitarbeitenden. Diese Version bietet eine deutlich höhere Anzahl an GPT-4-Anfragen als die kostenfreie oder einfache Pro-Version. Der Qualitätsunterschied zu GPT-3.5 ist erheblich, und die Investition von rund 30 Franken pro Person amortisiert sich nach Grafs Einschätzung unmittelbar durch Produktivitätsgewinne.

Was ist Prompt Engineering und warum ist es für Unternehmen strategisch relevant?

Prompt Engineering bezeichnet die Fähigkeit, Anfragen an KI-Systeme wie ChatGPT so zu formulieren, dass präzise, nützliche und individuelle Ergebnisse entstehen. Es ist eine erlernbare Kompetenz, die den Unterschied zwischen oberflächlicher und wirklich produktiver KI-Nutzung ausmacht. Unternehmen, die Prompt Engineering systematisch fördern, erzielen deutlich höhere Effizienzgewinne und vermeiden typische Fehlerquellen wie ungenaue oder generisch klingende Outputs.

Wie unterscheiden sich die zwei Ebenen der KI-Nutzung im Unternehmenskontext?

Die erste Ebene ist die individuelle Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT durch einzelne Mitarbeitende im Arbeitsalltag. Die zweite, strategisch weitaus bedeutendere Ebene ist die Integration von KI direkt in Unternehmensprozesse und Applikationen – etwa durch Automatisierungsplattformen wie make.com. Während die erste Ebene bereits verbreitet ist, steckt die zweite noch in frühen Phasen und bietet das grösste Transformationspotenzial.

Welche Rolle spielt Robotik in der Gastronomie und Hotellerie im Kontext der KI-Transformation?

Robotik entlastet Mitarbeitende in der Gastronomie und Hotellerie von körperlich belastenden Routineaufgaben wie Warentransport oder Logistik, sodass sie sich auf wertschöpfende Tätigkeiten – Gästekontakt, kreative Küchenarbeit, Servicequalität – konzentrieren können. Das Parkhotel Vitznau am Vierwaldstättersee wird im Podcast als konkretes Praxisbeispiel genannt. Angesichts des Köchemangels und hohen Kostendrucks bietet diese Symbiose eine realistische Zukunftsperspektive für die Branche.

Wie sollten Führungskräfte die gesellschaftliche Dimension der KI-Transformation in ihre Unternehmensstrategie einbeziehen?

KI verändert nicht nur Prozesse, sondern das Wesen von Arbeit selbst. Führungskräfte sollten die Entlastung von repetitiven Aufgaben aktiv nutzen, um kreative und innovative Kapazitäten im Unternehmen zu stärken. Gleichzeitig trägt eine bewusste Gestaltung von Arbeitsmodellen – weniger Beschleunigung, mehr Raum für Kreativität und Erholung – zur psychischen Gesundheit der Belegschaft bei und steigert langfristig die Innovationsfähigkeit.

Warum ist Change-Management die eigentliche Voraussetzung für erfolgreiche Digitalisierung?

Digitalisierungsprojekte scheitern häufig nicht an fehlender Technologie, sondern an fehlender Akzeptanz. Mitarbeitende, die neue digitale Prozesse nicht verstehen oder nicht mittragen, blockieren die Transformation unabhängig vom technologischen Reifegrad des Unternehmens. Change-Management – also die aktive Einbindung, Schulung und Motivation der Belegschaft – ist deshalb keine begleitende Massnahme, sondern die zentrale Erfolgsbedingung jeder Digitalisierungsstrategie.